ENTSCHEIDUNGSLEITFADEN · CHANCE, RISIKO, WAHRSCHEINLICHKEIT

Chance-Risiko-Verhältnis: Formel, Break-even und Erwartungswert

Das Verhältnis vergleicht geplanten Verlust und möglichen Gewinn, enthält aber keine Wahrscheinlichkeit. Erst realisierte Trefferquote, Durchschnittsergebnisse und Kosten zeigen, ob ein wiederholbarer Prozess positive Erwartung hatte.

1. Konvention eindeutig festlegen

100 riskieren und 200 anstreben kann als Risiko:Chance 1:2 oder Chance/Risiko 2,0 erscheinen. Ein unbeschriftetes 2:1 ist mehrdeutig.

Eindeutiges MultipleR am Ziel = potenzieller Nettogewinn ÷ geplantes Gesamtrisiko

2. Long- und Short-Formeln

Preisdistanzen
RichtungRisikoChanceReihenfolge
LongEinstieg − StopZiel − EinstiegStop < Einstieg < Ziel
ShortStop − EinstiegEinstieg − ZielZiel < Einstieg < Stop
BruttoverhältnisChance/Risiko = Zieldistanz ÷ Stopdistanz

Long 5.200, Stop 5.180, Ziel 5.250: 20 Punkte Risiko, 50 Punkte Chance = 2,5R.

3. Kosten auf beiden Seiten einbeziehen

Spread, Provision und Slippage erhöhen Verluste und verkleinern Gewinne.

NettoergebnisseGesamtrisiko = Bruttoverlust + Kosten; Nettogewinn = Bruttogewinn − Kosten
Netto-RNettogewinn ÷ Gesamtrisiko

100 Risiko und 200 Chance mit je 6 Kosten werden zu 194 ÷ 106 = 1,83R statt 2,00R.

4. Break-even-Trefferquote

Die vereinfachte Formel setzt stabile 1R-Verluste und R-Gewinne voraus; Teilausstiege und variable Ergebnisse verändern sie.

Break-even1 ÷ (1 + Durchschnittsgewinn / Durchschnittsverlust)
Theoretische Schwellen
Gewinn/VerlustRisiko:ChanceBreak-even
0,5R1:0,566,67 %
1R1:150 %
1,5R1:1,540 %
2R1:233,33 %
3R1:325 %

5. Wahrscheinlichkeit und Ergebnis verbinden

Verwende realisierte Nettoergebnisse statt geplanter Ziele.

ErwartungswertTrefferquote × Ø Nettogewinn in R − Verlustquote × Ø Nettoverlust in R
Beispiel40 % × 1,8R − 60 % × 1R = +0,12R je Trade

6. Realisierte R-Multiples protokollieren

Fixiere 1R als geplantes Geldrisiko beim Einstieg. 150 USD Risiko machen +225 netto zu +1,5R und −90 zu −0,6R.

  • Geplantes und realisiertes R erfassen.
  • Teilausstiege gewichten.
  • Alle Kosten einbeziehen.
  • Setups getrennt auswerten.
  • Stichprobengröße und Streuung angeben.

7. Scheinbar gute Verhältnisse vermeiden

  • Ziel ohne Evidenz weiter setzen.
  • Stop in normales Rauschen ziehen.
  • Kosten und Wahrscheinlichkeit ignorieren.
  • Konventionen mischen.
  • Stop als garantierten Verlust behandeln.

8. Wiederholbarer Ablauf

  1. Einstieg, Invalidierung und Ziel definieren.
  2. Distanzen monetarisieren.
  3. Kosten addieren.
  4. Netto-R und Break-even berechnen.
  5. Vom Verlustbudget aus dimensionieren.
  6. Realisiertes R protokollieren.
  7. Nur vergleichbare Trades prüfen.

Fragen zu Chance-Risiko und Erwartung

Ist 1:2 immer gut?

Nein. Ohne Wahrscheinlichkeit kann auch 1:2 unter der Netto-Break-even-Schwelle verlieren.

Welche Trefferquote braucht 1:2?

33,33 % nur bei stabilen 1R-Verlusten und 2R-Nettogewinnen.

2:1 oder 1:2?

Beschrifte die Konvention: Chance/Risiko 2,0 oder Risiko:Chance 1:2.

Ändert die Menge das Verhältnis?

Bei proportionalen Kosten nicht; fixe Kosten und Teilausstiege können es ändern.

Wie viele Trades reichen?

Keine universelle Zahl. Zeige Größe, Streuung und Stabilität der vergleichbaren Stichprobe.

Primärquellen und Prüfdatum

Risikoparameter, Marktbedingungen und Ausführung können sich ändern. Prüfe Produkt- und Brokerregeln vor jeder Order.

  1. The Mathematics of Trading SuccessCME Group

    Erwartungswert aus Häufigkeit und Ergebnisgröße.

  2. The 2% RuleCME Group

    Risiko, Stop, Kontrakte und Chance.

  3. Risk Management and Your Trade PlanCME Group

    Chance-Risiko im umfassenden Plan.

  4. Stop Orders: Factors to Consider During Volatile MarketsFINRA

    Stop-Ausführung kann abweichen.